Schloßvorstadt 7, Ellwangen

Das Gebäude Schlossvorstadt 7 ist als Bestandteil der Sachgesamtheit Schlossvorstadt Kulturdenkmal gemäß § 2 des Denkmalschutzgesetzes Baden-Württemberg. Darüber hinaus befindet sich das Haus innerhalb der geschützten Gesamtanlage „Altstadt Ellwangen“.

Geschichte

Das Gebäude wurde 1753 von Arnold Friedrich Prahl erbaut. Es wurde 1904 um ein Geschoss aufgestockt und erhielt auf der Nordseite (Gartenseite) einen 2- bzw. 3-geschossigen Anbau mit Flachdächern, die teilweise als Dachterrasse genutzt wurden und werden. Von hier bietet sich ein einmaliger Blick auf das Schloß ob Ellwangen und in das angrenzende Naturschutzgebiet.

Aufgabe

Nachdem das Gebäude im Jahr 2000 von uns erworben wurde, war es nur eine Frage der Zeit, wann wir das unter Denkmalschutz stehende Gebäude energetisch sanieren würden. Als Eltern von 3 Kindern war das konkrete Handeln anhand des Klimawandels eine selbstverständliche Aufgabe. Ebenso sahen wir als Architekt und Energieberater es als besondere Herausforderung an, sowohl die Belange des Denkmalschutzes zu erfüllen, als auch den Energieverbrauch deutlich unter Neubauniveau zu senken.

Idee

Die Belange des Denkmalschutzes, der Ökologie, Energieeinsparung, Ästhetik und Funktionalität in Einklang bringen! Wohnen – Leben – Arbeiten mitten in der Stadt und am Rande des Naturschutzgebietes!

Als „Herz“ des Hauses wurde die Essküche durch eine großzügige Verglasung zur Dachterrasse und zum Naturschutzgebiet hin geöffnet. Hier ist der Treffpunkt der Familie.

Das Architekturbüro befindet sich im Erdgeschoss. Bei der notwendigen Büroerweiterung wurden selbstverständlich hohe funktionale und ästhetische Ansprüche umgesetzt.

Die zu unterschiedlichen Zeiten entstandenen Wandoberflächen wurden in die Materialwahl einbezogen – Sandsteinmauerwerk aus 1753, Ziegelmauerwerk aus 1904 und Holzakustik-Schiebewände in Weisstanne 2007. Da das Architekturbüro überwiegend seine energieeffiziente Architektur in Holzbauweise umsetzt, war der Baustoff Holz auch für die Innenraumgestaltung prägend. Mit Linoleum belegte Arbeits- und Ablageflächen setzten farbige Akzente.

Bei der Detailausbildung für Türen, Fenster und Einbauteile wurde auf einen einheitlichen zurückhaltenden Gestaltungskanon und -kontext geachtet.

Bauweise

  • Einsatz von Passivhauskomponenten
  • Verwendung umweltgerechter und recyclebarer Baustoffe
  • Straßenfassade (Denkmalschutz) Innendämmung: 100mm Zellulose Gartenseite WDVS 140 bzw. 200mm WLG 035
  • Austausch der bestehenden Doppelverglasung durch 3-Scheibenverglasungen (Ug 0,7 W/m2K)
  • Flachdächer und Kehlbalkendecke mit bis zu 420 mm Zellulose gedämmt

Energiekonzept

Nach einer sorgfältigen Energieanalyse, die eine Berechnung der Energieverluste und einer thermographischen Untersuchung der Gebäudehülle, sowie einen Blower-Door-Test umfasste, wurde ein Energiekonzept für das gesamte Gebäude erstellt. Eine bauphysikalische Berechnung der Bauteile, auch im Hinblick auf Tauwasserbildung (Innendämmung!) und Wärmebrückenvermeidung begleiteten den Prozess.

  • Eine kontrollierte Be-und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung rundet das Sanierungspaket ab.
  • Einsatz einer Wandheizung im Trockenbau, so konnten bestehende Heizkörper ersetzt werden und die Fensternischen wieder erlebbar gemacht werden. Die Wandheizung sorgt für eine angenehme Strahlungswärme.
  • eine thermische Solaranlage mit 14 m2 zur Brauchwassererwärmung und Heizungsunterstützung nützt die Sonnenenergie effektiv.
  • Der vorgesehene Einbau eines BHKW zur Kraft-Wärme-Kopplung wurde nach eingehender Untersuchung nicht realisiert, da der Wärmeverbrauch nach der energetischen Sanierung für einen wirtschaftlichen Betrieb zu gering ist. Es wurde ein verbessertes Gas-Brennwertgerät als Brückentechnologie eingebaut.

Auszeichnungen

  • Auszeichnung 2009 “Beispielhaftes Bauen im Ostalbkreis”
  • Preis “Bauen und Wohnen im Bestand – Vielfältig | Lebendig | Zukunftsfähig”
  • 1.Preis des Wettbewerbs “Deutschlands schönste Effizienzhäuser”
  • Besondere Anerkennung: Baden-Württemberg macht sich klimafit

Download

Erläuterungsbericht Schloßvorstadt 7 (PDF, 370 KB)

Bauherren

Christine Ostermayer und Wolfgang Helmle

Zahlen und Fakten

Baujahr: 1753 / energetische Sanierung 2007
Wohnfläche: 190 m²
Büro- und Nutzfläche: 365 m²
Jahres-Primärenergiebedarf: 44 kWh/m²a
Transmissionswärmeverlust: 0,37 W/(m²K)
Energieeinsparung durch Sanierung: 80%