„Die Gegenwart leugnen hieße die Geschichte zu leugnen. Neues Bauen in alter Umgebung ist etwas Selbstverständliches“ so beschreibt Karljosef Schattner, Architekt und ehemaliger Diözesanbauamtsleiter in Eichstätt, „das Bauen in alter Umgebung“ – ein wunderbaren Satz!
Stadtplanung:
wir haben jetzt nun mal das Problem, dass wir das Pferd von hinten aufgezäumt haben: erst kamen die Hinterhöfe und Gassen, dann die Schmiedstraße, anschließend die Fußgängerzone. Über die herausragende städtebaulichen Qualitäten und die unglaubliche architektonische Bausubstanz des Marktplatzes sind wir uns einig. Warum dann überhaupt dort etwas umgestalten? Das Acocella-Gutachten hat gezeigt, dass wir die Innenstadt viel mehr stärken müssen – unsere Kaufkraft bleibt auf der “grünen Wiese” hängen. Also: der Marktplatz ist der Abschluss der „Baustelle“.
„Service- oder Empfangsgebäude“… für mich „öffentliches“ Gebäude:
für mich hat die Umgestaltung des Marktplatzes die Funktionen
- Belebung durch Einzelhandel, Wohnen, Touristik, klerikale und säkulare Veranstaltungen. Daraus ergeben sich die Funktionen des öffentlichen Gebäudes:
- Belebung der Innenstadt (gegenüber der grünen Wiese)
- städtebauliches Entree für den Platz (Camillo Sitte würde es als Tor und Auftakt bezeichnen)
- Ruhe: die Anordnung des Gebäudes schirmt den Platz vom restlichen Verkehr ab.
- auf einen öffentlichen Platz gehört ein öffentliches Gebäude – dies halte ich gesellschaftlich für sehr wichtig.
zu den bisher geäußerten Einwänden:
- der Platz vor der Basilika ist nach der Umgestaltung weiterhin für alle gewünschten kirchlichen Veranstaltungen in vollem Umfang nutzbar. Die Platzfläche wird sogar vergrößert.
- gerade durch die Anordnung des Servicegebäudes an der Ostseite des Platzes bildet es ein schützendes Entree für den Platz und die Basilika!
- Das Freihalten von Bäumen lässt eine wunderbare Sichtachse Marktstraße-Basilikaportal wieder zur Geltung kommen. Damit wird die Basilika an die Innenstadt (Fuchseck) in hervorragender Weise angebunden.
- Die Außenbewirtung des Servicegebäudes werde die gottesdienstlichen Feiern beeinträchtigen. Die Folge wäre, dass dann auf der ganzen Platzfläche und in allen anschließenden Stiftherrenhäusern eine Außenbewirtung im Sinne der kath. Kirchengemeinde nicht zugelassen werden dürfte. Wollen wir das?
- Andererseits steht der Wunsch nach Ruhe im Widerspruch zur Forderung auf eine freie Zufahrt zur Sakristei und eine ausreichende Parkplatzerschließung.
- das Servicegebäude schützt durch seine Anordnung den gesamten Platz vor Verkehrs- und sonstigem Lärm.
- „optische Gründe“ würden gegen das Servicegebäude sprechen Bisher haben wir einen Standortvorschlag – es liegt noch kein Vorentwurf vor, d.h. Architektur, Material und Haptik sind noch gar nicht entworfen!
- zur “Baumasse” es ist festzustellen, dass das Servicegebäude das mit Abstand kleinste und niedrigste Gebäude am Platz und im näheren Umkreis sein wird.
- würde Arnold Friedrich Prahl das Stiftsrathaus heute an dieser Stelle und in dieser „Schräglage“, in dieser Baumasse nochmals bauen dürfen?
- es würden „den Blick auf die wertvolle Apsisseite verstellen“. Mit den einfachsten Mittel der Geometrie ist festzustellen, dass von der Apothekergasse aus (ungünstigsten Standpunkt), das Gebäude die Sichtachse auf die Apsis in keiner Weise beeinträchtigt.
- Im Gegenteil das Gebäude wurde so nach Osten gerückt, dass man mit Betreten des Platzes (ab der Höhe der alten Polizei) an der westlichen Fassade des Gebäudes vorbei, die Apsis sichtbar bleibt!
- im Übrigen wird das Servicegebäude genau an den jetzigen Baumstandorten stehen. Die Bestandsbäume sind teilweise höher als das zukünftige Gebäude. Haben die Bäume bisher den Blick verstellt?
Städtebau und Stadtplanung kennt kein richtig oder falsch. Man tastet sich an eine Lösung heran. Jedoch brauchen Veränderungen dann Mut – Sicherheit gibt es keine.
Bürgerbeteiligung:
hier muss ich eingestehen, dass im Nachhinein das Procedere nicht optimal war. Wir hätten zu Anfang eine Bürgerversammlung mit Information und Plenum zur Meinungsäußerung vorantreiben sollen. Es gab jedoch einen Lenkungsausschuss, indem der Gemeinderat GR, die Kirchen, KSK und Justiz beteiligt waren.
Die derzeitigen Bürgermeinungen nehme ich sehr ernst, höre sie an und setze mich damit auseinander. Zu meinem Meinungsbild gehört ein sehr langer Reifungsprozess – aktiv und intensiv, fachlich seit 2005. Jedoch: „Es sind nicht immer nur die Lauten stark, nur weil sie lautstark sind!“
Über die Nutzung aller öffentlichen Gebäude am Marktplatz würde ich gerne diskutieren, Ideen sammeln und Stellung nehmen.