Gedanken

DIE DREI GROSSEN E’s

„Energieeffiziente Architektur“ – das ist für Helmle Beruf und Berufung.

Herr Helmle, was haben Sie zuletzt gebaut? Das Haus der Lebenshilfe e.V. am Hirschbach in Aalen für Menschen mit Handicap ist abgeschlossen. Dann die Konrad-Biesalski-Schule in Wört, die wir generalsaniert, aber vor allem auch energetisch saniert haben und die wir um einen großen Erweiterungsanbau vergrößert haben.

Gab es auch kleine Projekte? Als kleineres Projekt haben wir das Atelier Knoedler im Ellwanger Schloss komplett saniert. Dabei ging es auch darum, die Atmosphäre der Räume zu erhalten. Knoedler hat seine Küchenschränke komplett mit Zitaten und Lebensweisheiten in mehreren Sprachen voll geschrieben. Um das zu bewahren, haben wir alle  abfotografiert und sie auf Stoff ziehen lassen, der jetzt als Sonnenschutz dient. So blieb der Geist Knoedlers in den Räumen.

Wo liegen die Schwerpunkte Ihrer Arbeit? Große Themen sind Gebäude zum Wohnen, Leben und Arbeiten, sind Schulen und Kindergärten. Ein weiterer, ganz wichtiger Bestandteil unserer Arbeit sind die drei E’s – also Energieeinsparung, Energieeffizienz und der Einsatz von erneuerbaren Energien. Der Bau oder die energetische Sanierung eines Einfamilienhauses hat bei uns den gleichen Stellenwert wie öffentliche Bauaufgaben. Wir versuchen hier, die Balance zu halten und hatten schon immer das Ziel, beides zu machen.

Stichwort energieeffizientes Bauen. Warum lohnt sich das für Ihre Kunden? Energieeffizienz bedeutet ja, mit möglichst geringem Energieeinsatz, möglichst großen Nutzen erzielen und unnützen Energie-Verbrauch zu vermeiden - auch über die Zeitdauer der eigentlichen Energienutzung hinaus. Bei einem Neubau belaufen sich die Bau-Kosten auf gerade mal 20 Prozent der Gesamtkosten des Projektes, 80 Prozent kostet dagegen dessen Unterhalt und Betrieb. Nun steigen die Energiekosten stetig und immer mehr Bauherren wollen schon deshalb ökologisch und nachhaltig bauen, und so ihren Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten. Energieeffizientes Bauen vereint also Ökonomie und Ökologie, ist kostengünstig und steigert zudem noch den Wert eines Gebäudes.

Sind Sie ein Überzeugungstäter in diesem Bereich? Sie sitzen ja auch für die Grünen im Ellwanger Gemeinderat. Ich bin überzeugt von dem, was ich tue. Ja. Aber ich bin kein „Täter. Denn das bedeutet, dass es auch Opfer gibt. Mir geht es darum, andere Menschen mit dem Feuer zu entflammen, das selbst in mir brennt. Der finnische Architekt Alvar Aalto hat einmal gesagt: „Die Architektur kann die Welt nicht retten, aber sie kann als gutes Beispiel voran gehen“. Das trifft meine Einstellung wie ich finde ganz gut. Aber ich bin natürlich auch Pragmatiker. Kompromisse sind möglich und auch nötig, weil aus diesen neue Chancen wachsen. Doch ich differenziere mich nicht so stark zwischen Arbeit, Privatleben, Hobby und Engagement. Das alles gehört zu meiner Person. Ich arbeite seit 20 Jahren engagiert für meine Kunden. Das geht nur, wenn man hinter dem steht, was man macht.

Können energieeffiziente Häuser auch schön sein? Dahinter steckt ja die Frage, was ist eigentlich schön? Ich denke schön ist, wenn man spürt, dass das Produkt durchdacht ist, einen Sinn macht und eine Entwicklung hinter sich hat. Wenn man sich die Frage nach Ökologie und Ökonomie gleichzeitig stellt, dann macht das Sinn. Energieeffiziente Häuser müssen schön sein, damit sie auch angenommen und sinnvoll genutzt werden. Deshalb stehen Ästhetik und Funktionalität bei uns auch im Vordergrund. Sie dienen der Wohn- und der Lebensqualität. Wir suchen deshalb für jeden Entwurf nach einem Bild, nach einer typischen und schönen Idee, die wir dann mit Leben füllen. Wir wollen schöne Häuser zum Wohlfühlen bauen.

Was macht ein schönes Haus denn nun aus? Ich halte mich da an Karl Friedrich Schinkel, der sagte, es sei die Pflicht des Architekten, das Nützliche, Zweckmäßige und Praktische in etwas Schönes zu verwandeln. Was oft schön erscheint und ein Eyecatcher sein will, ist es nach zwei Jahren oft nicht mehr. Ein schönes Haus muss vom Entwurf bis zum Abschluss ins letzte Detail durchdacht sein. Alles muss seinen Sinn haben, konsequent, ehrlich, authentisch und durchgängig sein. Schönheit, Sinn und Zweckmäßigkeit gehören zusammen. Wenn etwas auf den zweiten Blick richtig schön ist, dann ist es, wie ich glaube, auch bleibend schön.

Wie setzten sie diese Auffassung von Schönheit in Ihrer praktischen Arbeit denn um? Wenn man durch ein Haus geht, achtet man darauf, wie man dort mit Material und Licht umgegangen ist, welche Mühe und Gedanken man sich um Details gemacht hat. Zum Beispiel gibt es bei einem Altbau mal eine markante Wand, die die Geschichte des Hauses widerspiegelt und die man deshalb zur Geltung bringt. Eine Holzwand riecht gut und sie bleibt nach unserer Auffassung deshalb unbehandelt. Es ist die Atmosphäre, diese zweite Ebene, die ein Hausschön macht. Diese lässt sich aber oft nicht fotografieren. Die Preise für unser Haus z.B. haben wir erhalten, nachdem die Jury vor Ort war und es erleben und durchlaufen konnte. Die Fotografien allein konnten dessen Atmosphäre nicht vermitteln.

Wie vermitteln sie all das ihren Kunden? Natürlich habe ich nun während meiner beruflichen Laufbahn genügend Kompetenzen und Erfahrung gesammelt. Aber jeder Bauherr hat andere Wunsche und Ziele. Viel hängt mit Vertrauen zusammen. Das entsteht dadurch, dass man seinem Gegenüber vermittelt, dass man engagiert, kompetent und verlässlich ist. Die Kommunikation und der zwischenmenschliche Umgang sind also auch in unserem Beruf die größte Herausforderung. Eine weitere ist die Verantwortung, die man dabei hat. Wer baut, bindet sich ja meist ein Leben lang an ein Haus, zumindest finanziell. Deshalb ist es für mich sehr wichtig, bei meinen Kunden nachzufragen: Wie wollen Sie wohnen, leben, arbeiten? Was ist Ihnen wichtig? Welche Prioritäten setzen Sie? Wenn hier ein guter Austausch stattfindet, kann ich deren Wünsche am Besten umsetzen.

Gibt es ein Motto, mit dem Sie den Kern Ihrer Arbeit zusammenfassen könnten? Ästhetik und Funktionalität stehen bei uns im Vordergrund, damit sie der Wohn- und Lebensqualität dienen. Diesen Leitsatz zu verwirklichen ist die Herausforderung unserer Arbeit. Dabei sind Ästhetik und Funktionalität ja eigentlich erst mal zwei scheinbar widersprüchliche Dinge. Doch Architektur, Umwelt und Mensch gehören zusammen, der Mensch bewegt sich ja nie in einem luftleeren Raum. Insofern bedingen sich Ästhetik und Zweck, Ökologie und Ökonomie.

Veröffentlicht in 1A_Ausgabe 03/2011 | Text: Dagmar Oltersdorf


Neue Trends beim Wohnen: Neues energieeffizientes Bauen in alter Umgebung

Der Trend im Wohnungsmarkt ist eindeutig von drei Gesichtspunkten geprägt:

  • Wohnen – Leben – Arbeiten sollen wieder mehr zusammenwachsen und sich verbinden.
  • Die Energieeffizienz eines Gebäudes gewinnt wegen steigender Energiepreise, Wünsche an die Behaglichkeit und aus Klimaschutzgründen immer mehr an Bedeutung.
  • Schließlich suchen immer mehr Eigentümer nach sicheren und sinnvollen Geldanlagen und finden diese bei der Umsetzung Ihrer hohen Gestaltungsansprüche und dem Einsatz langlebiger Materialien in der eigenen Immobilie.

„Die Gegenwart leugnen hieße die Geschichte zu leugnen. Neues Bauen in alter Umgebung ist etwas Selbstverständliches“ so beschreibt Karljosef Schattner, Architekt und ehemaliger Diözesanbauamtsleiter in Eichstätt, „das Bauen in alter Umgebung“.

  • Trend zum stadtnahen Wohnen.
  • Zeitersparnis und mehr Lebensqualität.
  • Zentrumsnah kurze Wege zur Arbeit, Schule, Einkauf, Behörden und Freizeit.

„Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.“

  • Gedanke der Energieeffizienz und des Klimaschutzes.
  • Endlichkeit der fossilen Energieträger?
  • Versorgungssicherheit und weitere Preisentwicklung?
  • Einsatz der erneuerbaren Energien und moderner Haustechnik.
  • Investitionen in Energiesparmaßnahmen werden auch durch günstige Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten wirtschaftlich interessant.
  • Behaglichkeit und Zufriedenheit der Bewohner nehmen zu.
  • Werterhalt der Immobilie.
  • Wertvoller Beitrag zum Klimaschutz.
  • Und wo ist dies einfacher umzusetzen als vor der eigenen Haustür?

„Lebenskraft mit Gelassenheit verbinden, einen ruhigen, doch vitalen Punkt mitten im Gewirr zu schaffen, ist Aufgabe unserer Zeit“ sagt Kenneth Frampton in seinem Buch “Grundlagen der Architektur”.

  • Hoher ästhetischer Gestaltungswille.
  • Interessante Oberflächenmaterialien.
  • Gesichtspunkte der Funktionalität und Langlebigkeit berücksichtigen.
  • Finanzkrise zeigt: Immobilien sind sinnvolle und nachhaltige Geldanlagen.

Wie erreicht man nun dieses Ziel des idealen und zeitgemäßen Wohnens?
Im Vorfeld werden mit dem Architekten und Energieberater grundlegende Fragen und Überlegungen erörtert:

  • Wie wollen wir wohnen?
  • Wie wollen wir leben?
  • Welche Baumängel und Probleme sollen eliminiert werden?
  • Wie sind die Wünsche und Ziele technisch, funktional, ästhetisch und wirtschaftlich umsetzbar?

Umsetzung:

  • Energieberatung.
  • Architektonisches und energetisches Konzept mit energieeffizienten Lösungsansätzen.

Trotz aller wirtschaftlichen und technischen Gesichtspunkte sollte man das Augenmerk verstärkt auf zu selten beachtete Aspekte richten, die durch energetisch sanierte Gebäude eintreten:

  • Wohn- und Lebensqualität nimmt gravierend fühl- und spürbar zu.
  • Unbezahlbarer Mehrwert an Wohnkomfort und gesunder Büroatmosphäre.
  • Es sind Räume zum Wohlfühlen entstanden.

Beispielhaft und mit Vorbildcharakter konnte dies bei der energetischen Sanierung des denkmalgeschützten Wohn – und Bürogebäudes Schloßvorstadt 7 in Ellwangen umgesetzt werden.

Wolfgang Helmle sieht den Trend zur energieeffizienten Architektur nicht nur im Wohnungsbau sondern auch:

  • KMU´s (kleine und mittlere Unternehmen)
  • im großen Gebäudebestand der öffentlichen Hand

Konsequenterweise hat er sich – bundesweit als einer der Ersten und zusätzlich zu seiner Kompetenz als Architekt und Energieberater – zum zertifizierten Klimaschutzberater weitergebildet um zukünftig auch Klimaschutzkonzepte mit Landkreisen und Kommunen zu entwickeln und umzusetzen.

Architektur | Handwerk | Gesellschaft

Adolf Loos ging mit seinem Aufruf, die Architekten zu töten zugegebenermaßen sehr weit. Aber seine darin aufgeworfene Frage zum Verhältnis der Architekten zur Baukultur, vor allem aber zum Handwerk und zu den Bauherren, steht nach wie vor ungeklärt im Raum. Die Verhältnisse am „Bau“ werden – nach Meinung der meisten Beteiligten – immer explosiver. Der Zeitdruck steigt enorm, ebenso die Erwartungen und Ansprüche der Baupartner. Der Kostendruck auf das Handwerk wird immer größer und die Zuverlässigkeit der Zulieferindustrie nimmt stetig ab. Auf Seiten der Handwerker und Planer nimmt das Lamentieren – hinter vorgehaltener Hand – jährlich zu. Man gewinnt den Eindruck, alle fühlen sich nur noch als Getriebene im Hamsterrad, dessen Geschwindigkeit zur Leistungserbringung immer schneller wird. Auf der Strecke bleibt die Qualität.

Doch wer oder was treibt dieses Rad an? Ist es die Aldi-, Geiz-ist-geil oder shareholder-value-Gesellschaft? Durch die Auswirkungen der Finanzkrise könnte man derzeit den Eindruck bekommen, dass zumindest der Wert des Handwerks wieder gesellschaftsfähiger wird. Zu gönnen wäre es den vielen engagierten und kompetenten Fachleuten. Man stelle sich nur einmal vor, welches know-how mit dem Verlust des Handwerks verloren ginge. Aber genauso muss das Handwerk sich die Frage stellen, woher der Verlust der Anerkennung rührt.

Vor allem wir Architekten müssen unsere Leistungen verstärkt reflektieren und darstellen. Die Architekten müssen sich und der Gesellschaft notwendige Frage stellen: Was ist der Mehrwert von Architektur? Was kann Architektur leisten? Welche Verantwortung bekommen die Architekten übertragen? Welche Verantwortung übernehmen wir Architekten und wie gehen wir damit um? Welchen Beitrag leistet Architektur für die Stadt, für die Gesellschaft und für die Umwelt? Welchen Anspruch haben wir an den Qualitätsbegriff? Wie konsensfähig ist dieser Qualitätsbegriff in der Gesellschaft?

Ziel müssen win-win-Situationen und Synergieeffekte für alle Beteiligten sein. Nur so entstehen wieder mehr Verlässlichkeit, Vertrauen und Zufriedenheit. All das sind Grundvoraussetzungen für gute Qualität.
“Lebenskraft mit Gelassenheit verbinden, einen ruhigen, doch vitalen Punkt mitten im Gewirr zu schaffen, ist Aufgabe unserer Zeit.“ Kenneth Frampton in „Grundlagen der Architektur“.